Innocence in Danger will das Hinsehen trainieren

23. Dezember 2022 Kategorien: Kampagne | Social Media |


Der Vereinssport hat ein Problem mit sexuellem Kindesmissbrauch. Das zeigen die Fallstudie „Sexualisierte Gewalt und sexueller Kindesmissbrauch im Kontext des Sports“ vom September 2022 sowie die kurz zuvor erstmals ausgestrahlte ARD-Dokumentation „Missbraucht – Sexualisierte Gewalt im deutschen Schwimmsport“.




 

Die Berliner Agentur glow hat zum Start der Anlaufstelle „Safe Sport“ von Bund und Ländern für ihren langjährigen Kunden Innocence in Danger eine Kampagne gestaltet, die das Hinsehen in den Fokus rückt. Wir sehen Brillen aus verschiedenen Sportarten, die uns groß anschauen. Darin spiegeln sich angedeutete Missbrauchshandlungen. Die Headline dazu heißt: „Zeit, das Hinsehen zu trainieren.“

 

 

„Wir müssen alle Fälle ans Licht bringen“ so Nancy Faser, Bundesinnenministerin zum Start des neuen Zentrums. Eine neue Fallstudie der Unabhängigen Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs basiert auf 72 Berichten. Daraus geht hervor, dass Betroffene den Missbrauch größtenteils als Minderjährige im Leistungssport erlebten. Von den Vereinsinstanzen erfuhren sie keine Unterstützung – im Gegenteil. Die Betroffenen berichten, dass ihre traumatischen Erlebnisse bagatellisiert und vertuscht wurden. Die gleiche Erfahrung machte auch der ehemalige Profi-Wasserspringer Jan Hempel, dessen bewegende Geschichte Teil der ARD-Dokumentation „Missbraucht – Sexualisierte Gewalt im deutschen Schwimmsport“ war. Er berichtet, seit der Kindheit schweren sexuellen Übergriffen durch den eigenen Trainer ausgesetzt gewesen zu sein. Weder die damalige Bundestrainerin noch der Deutsche Schwimm-Verband bemühten sich nach Kenntnisnahme um Aufarbeitung.

 

 

„Sportvereine müssen klare Regelwerke und Schutzkonzepte haben, die Prävention, Intervention und im besten Fall eine Form der Aufarbeitung beinhalten“, so Julia von Weiler, Vorstand von Innocence in Danger Deutschland. „Wir alle müssen lernen, besser hinzuschauen und zu handeln, wenn es um sexualisierte Gewalt im Sport geht.“ Das Ziel: ein neuer, geschärfter Blick durch die Brillen verschiedenster Sportarten, der Zeichen für sexuellen Missbrauch wahrnimmt – und wahrnehmen will. „Das genaue Hinsehen ist der erste Schritt, um Übergriffe zu verhindern. Deshalb sollte es ebenso ernsthaft trainiert werden wie Leistungssport“, so Johannes Krempl, Geschäftsführer Kreation von glow communication in Berlin. Die Motive erscheinen in den sozialen Medien sowie als OOH-Kampagne.