Selfie mit Folgen

4. März 2014 Kategorien: Online | Social Media |

Die Kinder- und Jugendschutzorganisation Innocence in Danger warnt in einem neuen Spot Jugendliche vor den Gefahren eines neuen Hypes, dem sogenannten „Sexting“. Es bezeichnet das Verschicken von sexualisierten Bildern und ist eine Mischung aus „Sex“ und „Texting“, dem anglo-amerikanischen Wort für SMSen. Der Film der Berliner Agentur glow gestaltet dabei den bekannten „Look back-Film“ zum 10 Jährigen Bestehen von Facebook zu einem „Look ahead“, einem Blick in die Zukunft, um.

 

„Viele Jugendliche wissen nicht, welch große Risiken sie eingehen, wenn sie ein Bild übers Netz verschicken.“ meint Julia von Weiler, Vorstand des Vereins Innocence in Danger. Die Psychologin leistet gegenwärtig Aufklärungsarbeit zum Fall Edathy in Talkshows wie Maybritt Illner und Markus Lanz.

62 Prozent der 14- bis 15-Jährigen sind heute mit einem Smartphone mit Internetflatrate ausgestattet. In Großbritannien und den USA hat jeder vierte Jugendliche schon einmal erotische Filme und Fotos von sich produziert. Aber Sexting ist auch in Deutschland auf dem Vormarsch. Laut einer Umfrage der FH Merseburg unter ostdeutschen Jugendlichen haben 19 Prozent der Mädchen und 11 Prozent der Jungen sich selber bereits an Sexting beteiligt.

Mädchen sind weit aktiver beim Sexting als Jungen. Die Gründe für Sexting sind vielfältig, die Folgen unabsehbar. Die oftmals im Vertrauen gesendeten Bilder können sich schnell viral verbreiten. Die Bilder werden oft abgefangen und dann von den Empfängern zum Mobbing genutzt. Auch Fälle von Erpressung sind keine Seltenheit. Sexting kann Leben und Psyche dauerhaft belasten und sehr zerstörerisch sein. Darauf will der Spot von Innocence in Danger aufmerksam machen.

„Das größte Problem war, wie man an die jugendliche Zielgruppe herantritt“, sagt Julia von Weiler, Vorstand von Innocence in Danger Deutschland. Der Spot ist an die Lookback-Optik des größten sozialen Netzwerkes angelehnt. Er soll Jugendliche auf die große Gefahr aufmerksam machen und vor den Folgen warnen. Dazu zeigt Innocence in Danger einen scheinbar normalen Lookback-Film eines jungen Mädchens, der sich allmählich in einen Social Media-Albtraum verwandelt. Die Stimmung ist bedrohlich, die Botschaft am Ende: „Ein Klick kann dein Image ruinieren.“

Gerade jetzt, wo die prominenteste Plattform für Sexting – „What`s app“ – an Facebook für 19 Milliarden Dollar verkauft wurde, ist weder mit einem Rückgang noch mit strikteren Datenschutzregeln zu rechnen.

Die Idee stammt von der Berliner Agentur glow, die den Spot auch produzierte. Die Musik komponierte und mischte das Studio „Urton“.

Innocence in Danger, 1999 von Homayra Sellier in Paris gegründet, ist eine weltweite Bewegung gegen sexuellen Missbrauch von Kindern und kämpft  insbesondere gegen die Verbreitung von Kinderpornographie mittels digitaler Medien. Im September 2003 hat die deutsche Sektion ihre Arbeit aufgenommen. Sponsorengelder werden genutzt um Modellprojekte wie z.B. die Kunstwochen für traumatisierte Kinder und das Schulungsprojekt Smart User P2P zu entwickeln, um bestehende Projekte fortzuführen oder für Präventions- und Öffentlichkeitsarbeit. Mehr Informationen unter www.innocenceindanger.de